Ein altes Sprichwort sagt: “Kindermund tut Wahrheit kund.”
Wie tiefsinnig Kinder und ihre Art zu spielen, mich als Erwachsenen zum Staunen und Nachdenken bringen, zeugt von der Geschichte meiner zwei Kinder (6 & 4) vom Sonntag, 16. August 15.

Es ist Sonntag. Früher Abend. Badewannenzeit.
Die Vorfreude und die Aufregung auf das kommende Schaumbad ist gross. Badezeit ist Spielzeit. Der Lärmpegel steigt.  

“Was wollen wir heute spielen?” fragt mein vierjähriger Sohn seine ältere Schwester? “Lass uns Flüchtlingshotel spielen” meinte sie sofort. “Au ja, super. Darf ich den Helikopter sein heute?”

Die Rollen waren schnell verteilt. Ich war gespannt, kannte ich doch dieses Spiel noch nicht. Flüchtlingshotel? Was für ein merkwürdiges Spiel dachte ich.

Das Badeschiffchen war schnell zur Hand, ebenso die Playmobil-Spielfiguren, die die Flüchtlinge darstellten. “Das Schiff ist am sinken, Hilfe – wir ertrinken.” – so die Tochter. Keine Angst, hier kommt schon der Helikopter. “Wir retten euch” sagte er in einer unüberhörbaren Lautstärke – “wir bringen euch in unser Flüchtlingshotel”.

Von nun an ging das Spiel weiter, dass sie die Flüchtlinge, die über das Meer gekommen sind, zu verpflegen. Die Kinder haben auch daran gedacht, ihnen medizinische Hilfe zu geben. Auf einmal wird mein Sohn energisch. Rollenwechsel. Jetzt sind Piraten mit im Spiel. Diese wollten gegen die Flüchtlinge und gegen das Hotel kämpfen, doch mein Sohn hat alle Angriffe spielerisch im wahrsten Sinne des Wortes, abgewehrt (mit unsichtbaren Indianerpfeilen!) Dass das Badezimmer nicht trocken bleibt bei einer solchen Aktion, versteht sich von selbst.

Als die Kinder schliefen erfuhr ich durch meine Frau, dass unsere Tochter jene Spielzeuge in ein Flüchtlingslager geben möchte, die sie zuviel habe. Zitat: “Die haben ja dort nichts zum spielen”.

Es liegt auf der Hand, dass wir als Familie am Esstisch und auch sonst wo, über jene Ereignisse reden und diskutieren, die uns beschäftigen. Es ist nichts als fair, wenn wir als Eltern unseren Kindern ihre Fragen zu beantworten versuchen. Natürlich bekommen sie die Flüchtlings-Thematik durch uns oder beim Zuhören der Nachrichten durch das Küchenradio bruchstückhaft mit. Es ist ja nicht so, dass wir mit ihnen explizit und bewusst über solch herausfordernde Dinge reden wollten. Offenbar nehmen sie mehr Dinge durch uns Erwachsene war, als mir bisher bewusst war. 

Kinder halten uns (spielerisch) den Spiegel vor die Augen. Erschreckend ehrlich. Ich erschrak als stiller Beobachter ob ihrem Spiel “Flüchtlingshotel” und bin gerührt zugleich. Doch wie sagte Jesus zu den Erwachsenen? “Werdet wie die Kinder. Lernt von ihnen. Wie recht er und die Kinder doch haben.   

 

Flüchtlingshotel
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